Vision
Einzelne haben mich gefragt, was die Intention hinter meinen Fotografien ist? Warum ich fotografiere? Ich dachte mir, hier ist eine gute Gelegenheit ein paar Zeilen dazu zu schreiben …
Bilder und Symbole bewegen unser Herz, sie sprechen uns auf einer tiefen Ebene an. Sie berühren uns tiefer, als viele Argumente und rationale Einsichten. Bilder, Symbole und Geschichten prägen uns von Kindesbeinen an. Fast jeder kennt das, aus seiner frühsten Kindheit. Man ist in eine dicke, warme Decke eingemummelt und jemand schaut mit einem ein Bilderbuch an oder erzählt eine Geschichte.
Bilder, Symbole und Geschichten berühren uns und prägen unser Leben.
Als ich 2009 durch die Straßen Berlins lief, bin ich in die Atmosphäre der Stadt und in ihre Geschichte eingetaucht. Ich habe den Atem angehalten und gelauscht, was bewegt diese Stadt? Welche Geschichten erzählt diese Stadt?
Ich habe versucht diese Stadt mit ihren Rhythmen, den Menschen aus verschiedensten Nationen, ihrer Infrastruktur – geprägt von Ost und West zu sehen, zu spüren und tiefer zu erkennen. Ich habe mich von der Stadt, ihren Bildern & Geschichten bewegen lassen. Die Stadt hat mich berührt und die Begegnung mit Berlin hat mich verändert. Der Lebensrhythmus, der Lebensstil, die Menschen in dieser Stadt haben mich berührt. Haben Spuren und Abdrücke in meinem Leben hinterlassen. Das, was die Stadt an einzelnen Ecken und Enden spricht, habe ich versucht in Momentaufnahmen, in Form von Fotografie abzulichten.
Was bewegt das Herz dieser Stadt? Was macht sie zornig und wütend? Worüber jubelt sie? Worüber ereifert sie sich? Was ist ihr Klang und was bringt sie zum Schwingen? Welche Höhen & Tiefen hat sie erlebt?
Ebenso ging es mir in Begegnungen mit Menschen in dieser Stadt, sei es mit Obdachlosen oder einem Hochzeitspaar. Ich war offen für die Begegnung mit Menschen. Ich habe die Begegnung gesucht und habe versucht genau hinzuschauen. Wer ist mein Gegenüber? In seiner/ ihrer Schönheit? In seiner/ihrer Zerbrechlichkeit? Was bewegt sie? Mein Gegenüber wollte ich achtend und ehrend fotografieren.
Würde – voll.
Eine Momentaufnahme, die SIE SELBST in einem alltäglichen oder besonderem Augenblick in ihrem Leben zeigt.
Als ich ein Kind war, lernten wir in Schule ein Gedicht, was bis heute in mir nachhallt:
Zum Sehen geboren,
Zum Schauen bestellt,
So möchte ich leben,
so gefällt mir die Welt.
Es ist von Johann Wolfgang von Goethe.
Eigentlich lautet die 3. Zeile: „Dem Turme geschworen“, da dieses Gedicht von einem Türmer handelt, welcher im Turme über der Stadt wachte, um die Stadt vor Gefahren, wie heran nahenden Banditen oder Bränden zu warnen. Aber ich hatte mir das Gedicht als Kind, anders eingeprägt und so ist es hier mit einem etwas anderen Wortlaut abgedruckt.
Das war ein kleiner Einblick in meine Intention und Vision, was mich bewegt und fasziniert an der Fotografie und warum ich fotografiere.